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AA am 31.08.2011

Was ist eine Bratwurst

Eva Lehnhardt (links) und Dr. Bettina Bock vom Institut für Indogermanistik konzipierten mit zwei weiteren Studentinnen die Ausstellung. Foto: Ina Schwanse

Thüringer Dialekte und Schriftgeschichte im Stadtspeicher ausgestellt 

Von Ina Schwanse

JENA. In Thüringen nach einer Bratwurst zu verlangen und dafür eine echte Thüringer Rostbratwurst zu erhalten, ist nichts ungewöhnliches. Wer allerdings oberhalb von Halle und Eisleben nach einer Bratwurst fragt, wird nicht schlecht staunen, wenn er vom Fleischer statt der Thüringer Leibspeise eine Knackwurst in die Hand bekommt. Warum das so ist, erklärt eine neue Ausstellung, die am vergangenen Donnerstag in der Galerie Stadtspeicher eröffnet worden ist. „Von A Brotwörschtla bis Zwetsche“ beleuchtet die Thüringer Dialekte und enthüllt, dass Bratwurst eben nicht gleich Bratwurst ist. „Die Bratwurst ist keine Wurst zum Braten, wie das Wort eigentlich vermuten lässt“, erklärt Dr. Bettina Bock von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zusammen mit drei Studentinnen vom Lehrstuhl für Indogermanistik und dem Verein „Sprachwissenschaft im Dialog“ hat sie die Ausstellung konzipiert.

Bereits im Althochdeutschen, also im frühen Mittelalter, gab es das Wort „Bratwurst“. Der althochdeutsche Wortbestandteil „brât“ bedeutet allerdings „Fleisch“, weshalb die Bratwurst – sprachgeschichtlich gesehen – nur eine Fleischwurst ist. Trotz der verschiedenen Verwendungen für ein- und dasselbe Wort werden Bewohner des südlichen Sachsen-Anhalts dem Thüringischen zugeordnet. Die Sprache lässt sich eben nicht von politischen Grenzen zurückhalten.

Doch damit hören die Verwirrungen und Sprachspiele noch nicht auf. Gleich am Eingang kann sich jeder Besucher selbst fragen, was er zum „Brötchen“ sagt. Nennt es einer „Rundstück“, kommt er von der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Die bayrischen Bewohner bezeichnen ihr Brötchen hingegen als „Semmerl“. „Mobilität und die Medien beeinflussen aber die Sprache“, meint Bettina Bock. Der Dialekt lässt also nicht immer erkennen, woher jemand kommt.