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Plakatgestaltung: Karen Weinert

06. August bis 03. Oktober 2010

Fotografien von Jens Klein, Anja Bohnhof und Karen Weinert zeigen ausschnitthaft Erinnerungen, an die zur Geschichte gewordenen DDR. Die Ausstellung stellt Verlorenes und Bestehendes nebeneinander und erinnert an vergessene Räume und Ansichten. 

Anja Bohnhof und Karen Weinert studierten an der Bauhaus-Universität „Visuelle Kommunikation“ und arbeiten seit ihrem Studium regelmäßig zusammen. Sie sind für Ihre Arbeiten u.a. mit dem Intern. Marianne-Brandt-Preis ausgezeichnet worden.

"WHH 17, Baujahr 1984" 2003

WHH 17, Baujahr 1984 von Karen Weinert und Anja Bohnhof ist eine Arbeit, die aus zwölf Innenaufnahmen eines Hochhauses besteht. Der Titel ist der Name des Gebäudetyps, ein Plattenbau aus der DDR-Zeit. Die Fotos zeigen leere Räume, die den Wohn- und Küchenbereich darstellen. Sechs der aufgenommen Wohnungen befinden sich in dem Gebäude auf der rechten, sechs auf der linken Seite des Hauses, was die unterschiedlichen Anordnungen der Türen und Durchreichen erklärt.  

Zu DDR-Zeiten als Neubau ein äußerst begehrtes Wohnobjekt für jedermann, nach der Wende zunehmend durch Leerstand geprägt, zeigt diese Arbeit über eine streng formale und grafische Ästhetik den Wandel der Zeit. Die leeren Wohnungen, die nicht zuletzt über die standardisierten und überaus typischen „Hellerauer Glasvitrinen“ eindeutig als Neubauwohnungen Ostdeutschlands aus den achtziger Jahren identifizieren lassen, zeigen individuelle Spuren ihrer letzten Mieter.

DDR-museale Ansichten von Anja Bohnhof

Die DDR ist Geschichte geworden. Gebrauchsgegenstände aus dem alltäglichen Leben wanderten nach der Wende in vielen ostdeutschen Haushalten auf den Sperrmüll, verbunden mit dem Wunsch nach einem anderen und besseren Leben. Ein gutes Jahrzehnt später dienen diese Dinge der Illustration des Alltags in der DDR in eigens dafür geschaffenen Museen. Tatsächliches Leben hat in diesen gezeigten Interieurs nicht stattgefunden. Die Katze auf dem Sofa ist ausgestopft, die volkseigenen Betriebe, welche alles Abgebildete hergestellt haben, längst nicht mehr existent. Die Fotografien sind Abbilder von konstruierten Räumen, in denen ein Bild von Vergangenem geschaffen wird, welches ohne überprüfbare Referenzen in der Gegenwart scheinbare Objektivität vermittelt.

Jens Klein studiert, nach mehrjährigen Studienaufenhalten im Ausland, Fotografie an der HGB Leipzig und ist zurzeit am Nanjing Arts Institut, VR China. Es ist unter anderem Träger des Aenne-Biermann-Preis der Stadt Gera.

Jens Klein, "Und keiner hat Bescheid gesagt", Diaprojektion, 2010

Dabei handelt es sich um einen Streifzug durch das Bildarchiv von Ingo Warzalik. Tausende Aufnahmen entstanden in der Zeit von 1969-1987. Sie nehmen den Beobachter mit nach Reisdorf, einem Ort,der so speziell und doch so gewöhnlich ist wie viele Andere. In eine Zeit und nach einem Land, das sich langsam in der Erinnerung aufzulösen scheint und selbst zu einem Teil der Geschichte wird. Auch für jene, die diese Zeit erlebten, wird es allmählich schwerer zu sagen, wie es wirklich war.

In den Fotografien überlagern sich Erinnerungen mit Geschichte und Geschichten, mit Bildern, die im eigenen Fotoalbum sein könnten oder so schon einmal gesehen wurden. Sie sind persönlich und intensiv,  - bleiben an vielen Stellen anonym, werden zu einer gemeinsamen Erinnerung. Beim Spazieren durch den Ort und die Geschichte stößt der  Betrachter auf Vertrautes oder betritt fremdes Terrain.

Er ist auf sich gestellt, hat kurze Momente zum verweilen, muss entscheiden, wie wahr die Darstellung ist oder ob sie nur zur Unschärfe des Gedächtnisses eine weitere Variation des Möglichen hinzufügt.

"Und keiner hat Bescheid gesagt" Jens Klein, 2010

“And nobody told us”

This is a foray through the photo archive of Ingo Warzalik. Thousands of pictures were taken in the time from 1969 to 1987. They take the observer to Reisdorf, a very special place, and yet as normal as many others too: to a time and a country which seems to be slowly disappearing from memory and is itself becoming a part of history. Even for those who experienced these times, it is becoming harder to say how things really were.

The photographs superimpose memories with history and stories, with pictures which could be in your own photo album or which you feel you may have seen before. They are personal and intense, but are often anonymous and form part of a common memory. Walking through the place and its history, the observer finds both the familiar but also foreign ground.

He or she receives no help, has short moments to pause and decide how truthful the depiction is, or whether it just adds a further variation of what might be true to that out-of-focus picture we know as our own memory.

Jens Klein, slide presentation, 2010