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Bis zu Beginn der 1990er Jahre ging die Forschung noch davon aus, dass in der Jenaer Altstadt allein das Rathaus als Zeugnis des mittelalterlichen Profanbaus überliefert sei. Andere Bauten der Zeit vor 1500 wären, so die Annahme, durch die Bautätigkeit vergangener Jahrhunderte oder im Krieg zerstört bzw. beim anschließenden Wiederaufbau abgebrochen worden. Die Ergebnisse zahlreicher bauhistorischer Untersuchungen stellten dagegen heraus, dass es einen umfangreichen Gebäudebestand gibt, der noch aus der spätmittelalterliche Ausbauphase der Stadt Jena datiert ist. So hat beispielsweise das Wohn- und Geschäftshaus Markt 16 eine über 600jährige Baugeschichte.
Es ist ein Zeugnis jahrhundertealter Bautradition und stellt damit ein bedeutsames Bindeglied zur Erforschung der Siedungs- und Baugeschichte im alten Stadtkern dar.

Ständergeschossbauweise, Bestandszeichnung nördliche Längswand 1383/84 (d)

Das Gebäude „Am Markt 16“ setzt sich aus zwei separaten Hausgerüsten, die in zwei unterschiedlichen Bauphasen entstanden sind, zusammen.
1384 (d) wurde das Vorderhaus über dem Kellergewölbe eines Vorgängerbaus als dreigeschossiger, giebelständiger Ständergeschossbau in den Abmessungen 7,30m x 8,70m errichtet. Dabei handelt es sich um eine Fachwerkkonstruktion, bei der sich die Wandständer über mehrere Geschosse erstrecken. Die verschiedenen Ebenen werden durch geschosstrennende Deckenbalken gebildet, die in die Fachwerkständer „eingeschossen“ sind. Die geschossübergreifenden Wände der Traufseiten waren als Rahmenkonstruktion mit Schwell- und Rähmhölzern in den Abmessungen 8,70 m x 8,70 m verzimmert. Sie wurden innenansichtig abgebunden, wobei die Riegel aufgrund des geringeren Querschnittes hinter der inneren Fluchtlinie der Fachwerkständer lagen, so dass die horizontalen Fachwerkhölzer auf der Außenseite mit den Fachwerkständern eine Bundseite bildeten. Die längsaussteifenden Gefügehölzer (Schwerter) wurden dagegen auf die Innenseiten der Geschossständer aufgeblattet. Das Vorderhaus folgt in seiner Konzeption dem System des Einraumhauses. Trennende Zwischen- oder konstruktive Innenwände hat es nicht gegeben. Die gesamte Hausbreite und -tiefe ist von Fachwerk überspannt. Im Erdgeschoss liegt die Hohe Halle mit einer Raumhöhe von ca. 3,80 m. Der Raum war zur Bauzeit mit einem Mittelunterzug und einer Einzelstütze ausgestattet. Ob er im Sinne der von H.-G. Lippert angesprochenen Binnenhäuser genutzt wurde,  bleibt offen. Es kann jedoch als gesichert angenommen werden, dass im Erdgeschoss eine Feuerstelle existierte, da die mittelalterlichen Oberflächen vor allem im Bereich der erhaltenen Deckenschalung massive Schmauchspuren zeigen.     Aus der Erbauungszeit des Hauses noch erhalten sind Lehmausfachungen der Wände, auf denen zum Teil Bemalungen mit breiten und schmalen Begleitstrichen zu erkennen sind. Der Fußboden des 1. Obergeschosses aus Dielung, Stampflehm und Gipsestrich zeugt ebenfalls bauzeitlich von den Ursprüngen des Hauses. Die gesamte Konstruktion mit der hohen Erdgeschosshalle deutet auf eine Nutzung als Speicherbau oder Handelskontor hin.

Hinterhaus Markt 16 vor der Sanierung, Ansicht von Ost

An der Ostseite dieses Hauses ist 1435 (d)  ein giebelständiger, zweigeschossiger Ständergeschossbau auf massivem Erdgeschoss und mit Kehlbalkendach an den Speicherbau angegliedert wurden. In das 1. Obergeschoss wurde eine noch heute weitgehend erhaltene Holzstube von 30 qm Grundfläche und ca. 4m Raumhöhe eingefügt. Die Stube kragte in ihrer gesamten Höhe ca. 80 cm über den Ostgiebel  in  den  heutigen  Hofraum  aus. Sie war zu der Zeit der einzige vom Haus abgetrennte Wohnraum, der mit einem Ofen belegt, rauchfrei beheizt werden konnte. In der Gesamtheit ihrer Merkmale ist diese alte Wohnstube thüringenweit einzigartig.
Das Gebäude war über ein spätgotisches steinernes Portal an der Hofseite zu erschließen und durch ein weiteres steinernes Portal mit dem Vorderhaus verbunden.
Der Anbau des Hinterhauses folgte wohl der Gewohnheit, Handelshäuser vornehmlich auf Seiten des Jenaer Marktes zu errichten, während in den Hintergebäuden gewohnt wurde. Die Ostausrichtung des Gebäudekomplexes zeugt vermutlich von der Orientierung zu einem kleinen Platz zwischen den Häusern am Markt und der heutigen Oberlauengasse.

Blick vom Markt
Hinterhaus Markt 16 nach der Sanierung, Ansicht von Ost

Im 17. Jahrhundert wurde das Vorderhaus zu Wohnzwecken umgebaut. Der Dachstuhl wurde in Traufstellung zum Markt gebracht. Die Stuben lagen seitdem in geschossweise getrenntem Wohneigentum. Im gleichen Zuge wurden die Wände überformt und zeitgemäß übermalt. Eine weitere Modernisierungsmaßnahme, bei der das Dachgeschoss des Vorderhauses aufgestockt wurde, fand 1737 statt. Um 1900 erhielt die Fassade ein gründerzeitliches Dekor, welches in den 1960er Jahren jedoch wieder abgenommen wurde. Bis 1990 wurde der Gebäudekomplex „Am Markt 16“ bewohnt.

Im Jahr 2000 ging es in den Besitz der Stadt Jena über. Für die anschließende fach- und denkmalgerechte Rohbauinstandsetzung erhielt die Stadt Jena 2003 den Thüringer Denkmalschutzpreis. Im Jahr 2006 wurde das Jenaer Architekturbüro Limmer + Otto (heute OTTO-ARCHITEKTEN-BDA) projektleitend mit der Planung zur Sanierung und Erweiterung des Gebäudeensembles durch die Stadt Jena (KIJ) beauftragt. Weitere Architekten waren für die Hologrammfassade (Herr O´Brien, Dresden) und für die Innenarchitektur (Frau Kehr, Erfurt) zuständig. Die beispielhafte Sanierung des Gebäudes wurde im Rahmen der „architektouren 2009“ mit einer Anerkennung durch die Architektenkammer Thüringen ausgezeichnet.

Das Gebäude steht für die Möglichkeit historische Bausubstanz mittels lebendiger Denkmalpflege zu erhalten und auch in ihrer inneren (Re-)Konstruktion sichtbar zu machen. Dieser Aufgabe widmet sich u. a. der 2006 gegründete Stadtspeicher Jena e.V.

Nutzer des Gebäudes sind die Tourist-Information Jena, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH sowie der 2006 gegründete Stadtspeicher Jena e.V. In diesem Verein versammeln sich verschiedene Jenaer Institutionen, Firmen und private Mitglieder, die sich zum Ziel gesetzt haben, im Stadtspeicher Informationen zur Geschichte des Hauses sowie zu aktuellen Entwicklungen Jenas zu speichern und zu präsentieren.